von Cord, akronischer Gardist , stationiert im
Kriegshafen zu Wyrzknuerz Ich heiße Cord ap Dycter und bin Skote aus Ar-Ghaeil.
Es ist nicht mein Talent, Verse zu dichten, aber ich will berichten von der
Schlacht am Laugardagr, der in Akron Samstag genannt wird, dem 23 Tage des
Jagdmonats Gormanuthr, der in Akron Muscul heisst.
Der
grosse König Don Pacos, der ein noch grösserer Häuptling ist als mein Herr
Thorgal, rief zum Heerzug nach Aredhrokh. So legten die Männer ihr Heergewand
an, baten die Götter um Glück und bestiegen die Schiffe in Wyrzknuerz. Bei
dieser Walfahrt kam viel Volk zusammen, denn Don Pacos ist landauf, landab
bekannt, viel Glück in der Schlacht zu haben, so dass er die Dächer seines
Hofes mit Silber decken hat lassen können. Die Klugen wussten zu berichten,
dass er immer Siegreich gewesen ist in seinen Schlachten und ein verständiger
Mann nicht seinen Zorn wecken sollte. Vor unserer Abfahrt bat ich noch die Gode
um Weissagung, denn ist nie falsch, zu wissen, was die Zukunft bringt. Sie
sagte mir, dass es für einen aufrechten Mann nichts zu gewinnen gäbe, wenn
Leute, die in grossen Städten wohnen sich bekämpfen, denn sie sind alle von
hinterhältiger und listiger Wesensart. Aber die Gunst der Götter gelte es nicht
zu verlieren. Dies hielt ich für einsichtige Worte. Als im Morgengrauen unsere
Flotte bei der ersten Flut auslief, warf ich dann sicherheitshalber einen
Priester der akronischen Göttin über Bord, denn die Götter des Meeres mögen es
nicht, wenn ihnen nicht angemessen geopfert wird. Darob gab es aber grosses
Aufhebens und Geschrei, ein Häuptling der Akroner und der Herr des Schiffes,
auf dem ich fuhr, war rot vor Zorn und meinte, wenn dem Priester etwas passiert
wäre, würde es mir schlecht ergehen. Aber der zappelnde Priester wurde
unversehrt aus der Umarmung der Töchter Rans an Bord zurück geholt. Er redete
dann lange und eindringlich auf mich ein, dass es nur einen Sohn des Wassers
gäbe, und dass dieser stärker sei als Ran und keine Menschen schätze, Silber
sollte ich ihm lieber opfern und am besten gleich ihm, dem Priester
aushändigen. Das eine sei so gut wie das andere, dachte ich bei mir und gab ihm
ein Stück Silber- wo doch hier in Akron dieser Sohn wohl stärker ist als Ran.
Vorsichtshalber schüttete ich aber noch eine Kanne Bier in die Wellen, als er
mich nicht beobachtete. Von der Überfahrt nach Aredhrokh gibt es nicht viel zu
berichten, wir hatten gutes Wetter und kamen schnell voran. Der Herr unseres
Schiffes war jedoch unverständig, mehrfach sahen wir die Segel fremder
Handelsschiffe am Horizont, aber wir durften sie nicht überfallen. Auch
untersagte er das Plündern der Küstensiedlungen, wo wir nachts anlegten; es ist
mir ein Rätsel, wie diese Häuptlinge in schwarz-weissen Röcken zu solchem
Reichtum gekommen sind. Mit noch grösserer Fremdartigkeit ging es dann weiter,
als wir die Küste des Jarls von Aredhrokh erreichten. Geordnet sollte man ins
Landesinnere ziehen und ein Lager errichten und nicht gleich über die vom
Stamme Aredhrokhs herfallen und alles niederbrennen. Als ich den Häuptling
danach fragte, wurde er wieder zornig und meinte, die Gardisten in Wyrzknuerz
müssten wohl ein noch üblerer Haufen sein als die restlichen Bewohner der
Gegend, eben um sie unter Kontrolle zu halten. Darauf sagte ich, dass eine gute
Axt durchaus für Ruhe sorgen könnte, wenn es zuviel Aufhebens um gewissen Dinge
und laute Worte generell gäbe. Daraufhin wurde der Häuptling, Elfkreuzer
heissen diese in Akron, noch wütender und meinte, es wäre unvertretbar, solche
wie mich dem Feinde direkt entgegenzuwerfen und ob ich mit dem Bogen umgehen
könnte. Bevor ich ihn darüber aufklären konnte, auf welche Entfernung ich ihn
anhand seiner Geschreis im dunkeln zu treffen wüsste, zog mich Lutz Flake, der
Hafenmeister in Wyrzknuerz, beiseite und riet mir, den Unterhäuptling des
Königs Don Pacos nicht zu verärgern, da wir hier seien, um für die Gerechtigkeit
zu kämpfen und die Elfkreuzer seien sehr gerecht. Er selber diene unter seiner
Schwester Nadessha und befehlige die Geschütze als Unterhauptmann und er würde
mir anraten, es ihm gleich zu tun, denn zum einen sei nichts falsches daran,
Aredroquianer mit Pfeilen zu spicken und zum anderen kämen wir aus der gleichen
Gegend und würden wohl besser miteinander umzugehen verstehen. Dies hielt ich
für verständige Worte und wandte mich an ebenjene Nadessha. Wie ich von ihr
erfuhr, sei sie von allen Häuptlingen in schwarz-weiß die Schwester und sie
alle, die Elfkreuzer, würden Don Pacos als ihren König anerkennen; also stammen
sie wohl aus seinem Geschlecht. Wie dem auch sei, wir errichteten also ein
Heerlager und die klugen Häuptlinge berieten sich, wie dem Gegner, der wohl
weit überlegen war, beizukommen sei. An die Krieger im Lager wurden ulkige
kleine Blättchen verteilt, Passierscheine genannt, von denen mir ein kluger
Mann zu berichten wusste, dass sie aus dünnem Holz gemacht werden. Ich sollte
so den ein oder anderen nach seinem Schein fragen, und wenn jemand keinen
hätte, solle ich ihn niederschlagen, was ich ungemein komisch fand. Dennoch
wurde mir angeraten, niemanden aus unserem Lager zu erschlagen, was mir Sorge
bereitete, denn mein Herr Thorgal vermisst seit langem sein Schädelservice und
ich soll ein neues beschaffen und er gerät leicht in Zorn, wenn er seinen Met
aus einem Becher trinken muss. Worauf das Volk Akrons, zu dem ich nun auch
schon seit einigen Jahren gehöre, sich aber wirklich versteht, ist, seine
Krieger bei Laune zu halten. Wir hatten einfach ein paar Bräute der Blutmarie
aus Wyrzknuerz mitgenommen nach Aredhrokh, auf dass sie es dort an keiner
Labsahl mangeln lassen sollten. So gab es drei verschiedene Arten von Bieren,
zwei helle Gebräue, wie sie Männer bevorzugen, und ein dunkles, weiches Bier,
wie es von Frauen und Elfkreuzern getrunken wird. Angeblich hat die Göttin der
Elfkreuzer ihnen das befohlen und da sie eine Göttin ist, steht es den Frauen
in Akron nicht schlecht an, dunkles Bier zu trinken. Aber einige mögen auch das
helle. Wobei die Schwester Nadessha überhaupt kein Bier trinkt, sondern Wein,
wie die Priester ihn mögen. Ich mochte das Bier des Jarls Helmbrecht von Pilsen
am liebsten, auch weil es in guten, grossen Krügen ausgeschenkt wurde. Dann gab
es noch einen Met, aber der war schlecht, denn der Metsieder benutzte wohl
Schwefel, um die Gärung anzuhalten, und das schmeckt man einfach. Auch gab es
einen fürchterlichen Trunk von vergorener Ziegenmilch aus dem Wendenlande, aber
der war scheusslich. Dennoch liefen bald alle im Lager mit so einer Flasche
herum und priesen die Grosszügigkeit des Königs Don Pacos, der verfügt hatte,
den Trunk der dummen Wenden für weniger als eine Hand voll Kupfer zu
veräussern. Was mir gut gefiel war, dass eine Heerfahrt in Akron ähnlich dem
Fest zur Wintersonnenwende in meiner Heimat war, denn es gab, wie schon
erwähnt, Trunk für alle und dazu auf offenem Feuer geröstetes Schweinefleisch.
Ein paar Köche guten Rufes brutzelten und bepinselten das Schwein, dass es eine
Freude war. Auch wenn es nicht umsonst verteilt wurde, sondern jeder, der nicht
nur Brot, sonderen auch Schwein wollte, etwas geben musste, troff doch das Fett
von Bart und Kinn im ganzen Lager. Auch das viel Gesungen wurde ist etwas gutes,
nimmt es doch den ängstlicheren Gemütern die Furcht vor dem Tod. Und so komme
ich dann zur Schlacht und wie sie geschlagen werden sollte. Nachdem in der
Nacht von Frjadagr auf Laugardagr die Kundschafter unseres und des gegnerischen
Lagers viele gute Ratschläge tauschten, wollte dann am Laudardagrmorgen ein
Haufen Aredroquianer sehen, wie wir es denn mit der Nachtruhe hielten. Da der
Stamm der Akroner pflegt, bei Walfahrten in Heeresgewand und Brünne zu
schlafen, kamen die Krieger im Verhältnis recht langsam von ihren Lagern hoch,
aber schnell genug, um zu erfahren, dass die neugierigen Aredroquianer von
ihrem Herrn zurückgepfiffen wurden. Das war schade, denn wären sie zu uns ins
Lager gekommen, hätte daraus wohl ein lustiges Gemenge entstehen können. Von der
am Laugardagr um die dritte Stunde nach Mittag dann stattfindenden Schlacht
gibt es nichts aufregendes zu berichten. Das Heer des Königs Don Pacos wählte
den akronischen Breitkeil als Angriffstaktik, während die Aredroquianer lieber
auf einem Haufen von knapp 200 standen, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Da
ich bei den Bogenschützen focht, habe ich nur vier Gegner gefällt, denn mir
wurde von der Schwester Nadessha untersagt, zu schiessen, wenn ich einen von
uns treffen könnte. Da die Bogenschützen von Anfang an irrigerweise hinter den
Reihen standen, gab es damit naturgemäss Schwierigkeiten. Aber die
Bogenschützen waren eh ohne Nutzen, denn die Fußtruppen Akrons zerfetzten die
feindlichen Linien nach kurzem, heftigem Gerangel. Auch durfte ich nach der
Schlacht den Besiegten nicht die Köpfe nehmen, sie nicht einmal zu Ehren der
Götter töten, denn sie waren alle Häuptlinge von grosser Wichtigkeit und der
König Don Pacos will trotz seiner Macht kein Blut vergossen sehen, wenn es hell
ist. Das ist alles wahrlich fremdartig, aber dennoch herrscht sonst Friede in
Akron und die Frauen und Männer, die Land und Hof besitzen, kommen wohl von
alleine, um Steuern zu bezahlen und der König Don Pacos muss nicht zu ihnen
reiten mit einem grossen Heerhaufen. Obwohl so gut wie nicht gekämpft wurde,
waren alle Akroner voller Freude nach dem Sieg und priesen ihre einzelne Göttin
und sangen und tanzten. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass nicht ein
Akroner auf dem Felde blieb und nur ungefähr 30 der Gegner starben. Ich erwog
kurz, noch ein paar Leute zu erschlagen, um sicher zu gehen, dass die Götter,
die einen grossen Kampf mit vielen Toten erwarteten, nicht enttäuscht wurden,
aber dann entsann ich mich der Worte der Gode und ließ es lieber bleiben. Warum
der König aber ausgerechnet dieses Land in Besitz nehmen wollte ist mir
wahrlich ein Rätsel, denn Akron, grade die Küste, ist grün und die Erde dort
ist fett und schwarz, aber es war wohl ein Ehrenhandel und der König darf
überdies nicht dulden, dass man über ihn Spott treibt und freche Reden schwingt
in Aredhrokh. So war also Akron einmal mehr siegreich und einmal mehr haben wir
keine Beute genommen. Doch was mir jüngst zu Sinnen kam, brauchen wir in so
einem Land wie Akron überhaupt das Silber anderer Könige? Nein. Die Skoten sind
gefürchtet an allen Küsten und wackere Mordbrenner, aber so sehr es mich auch
wundert, in Akron ist dafür kein Bedarf. Vielleicht, wenn meine Dienstzeit in
der Garde vorbei ist, kaufe ich ein paar Schafe.
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