23. Muscul a.A. 67 t.n. - Wenn kluge Köpfe sich schlagen oder DIE SCHLACHT
von Cord, akronischer Gardist , stationiert im Kriegshafen zu Wyrzknuerz Ich heiße Cord ap Dycter und bin Skote aus Ar-Ghaeil. Es ist nicht mein Talent, Verse zu dichten, aber ich will berichten von der Schlacht am Laugardagr, der in Akron Samstag genannt wird, dem 23 Tage des Jagdmonats Gormanuthr, der in Akron Muscul heisst. Der grosse König Don Pacos, der ein noch grösserer Häuptling ist als mein Herr Thorgal, rief zum Heerzug nach Aredhrokh. So legten die Männer ihr Heergewand an, baten die Götter um Glück und bestiegen die Schiffe in Wyrzknuerz. Bei dieser Walfahrt kam viel Volk zusammen, denn Don Pacos ist landauf, landab bekannt, viel Glück in der Schlacht zu haben, so dass er die Dächer seines Hofes mit Silber decken hat lassen können. Die Klugen wussten zu berichten, dass er immer Siegreich gewesen ist in seinen Schlachten und ein verständiger Mann nicht seinen Zorn wecken sollte. Vor unserer Abfahrt bat ich noch die Gode um Weissagung, denn ist nie falsch, zu wissen, was die Zukunft bringt. Sie sagte mir, dass es für einen aufrechten Mann nichts zu gewinnen gäbe, wenn Leute, die in grossen Städten wohnen sich bekämpfen, denn sie sind alle von hinterhältiger und listiger Wesensart. Aber die Gunst der Götter gelte es nicht zu verlieren. Dies hielt ich für einsichtige Worte. Als im Morgengrauen unsere Flotte bei der ersten Flut auslief, warf ich dann sicherheitshalber einen Priester der akronischen Göttin über Bord, denn die Götter des Meeres mögen es nicht, wenn ihnen nicht angemessen geopfert wird. Darob gab es aber grosses Aufhebens und Geschrei, ein Häuptling der Akroner und der Herr des Schiffes, auf dem ich fuhr, war rot vor Zorn und meinte, wenn dem Priester etwas passiert wäre, würde es mir schlecht ergehen. Aber der zappelnde Priester wurde unversehrt aus der Umarmung der Töchter Rans an Bord zurück geholt. Er redete dann lange und eindringlich auf mich ein, dass es nur einen Sohn des Wassers gäbe, und dass dieser stärker sei als Ran und keine Menschen schätze, Silber sollte ich ihm lieber opfern und am besten gleich ihm, dem Priester aushändigen. Das eine sei so gut wie das andere, dachte ich bei mir und gab ihm ein Stück Silber- wo doch hier in Akron dieser Sohn wohl stärker ist als Ran. Vorsichtshalber schüttete ich aber noch eine Kanne Bier in die Wellen, als er mich nicht beobachtete. Von der Überfahrt nach Aredhrokh gibt es nicht viel zu berichten, wir hatten gutes Wetter und kamen schnell voran. Der Herr unseres Schiffes war jedoch unverständig, mehrfach sahen wir die Segel fremder Handelsschiffe am Horizont, aber wir durften sie nicht überfallen. Auch untersagte er das Plündern der Küstensiedlungen, wo wir nachts anlegten; es ist mir ein Rätsel, wie diese Häuptlinge in schwarz-weissen Röcken zu solchem Reichtum gekommen sind. Mit noch grösserer Fremdartigkeit ging es dann weiter, als wir die Küste des Jarls von Aredhrokh erreichten. Geordnet sollte man ins Landesinnere ziehen und ein Lager errichten und nicht gleich über die vom Stamme Aredhrokhs herfallen und alles niederbrennen. Als ich den Häuptling danach fragte, wurde er wieder zornig und meinte, die Gardisten in Wyrzknuerz müssten wohl ein noch üblerer Haufen sein als die restlichen Bewohner der Gegend, eben um sie unter Kontrolle zu halten. Darauf sagte ich, dass eine gute Axt durchaus für Ruhe sorgen könnte, wenn es zuviel Aufhebens um gewissen Dinge und laute Worte generell gäbe. Daraufhin wurde der Häuptling, Elfkreuzer heissen diese in Akron, noch wütender und meinte, es wäre unvertretbar, solche wie mich dem Feinde direkt entgegenzuwerfen und ob ich mit dem Bogen umgehen könnte. Bevor ich ihn darüber aufklären konnte, auf welche Entfernung ich ihn anhand seiner Geschreis im dunkeln zu treffen wüsste, zog mich Lutz Flake, der Hafenmeister in Wyrzknuerz, beiseite und riet mir, den Unterhäuptling des Königs Don Pacos nicht zu verärgern, da wir hier seien, um für die Gerechtigkeit zu kämpfen und die Elfkreuzer seien sehr gerecht. Er selber diene unter seiner Schwester Nadessha und befehlige die Geschütze als Unterhauptmann und er würde mir anraten, es ihm gleich zu tun, denn zum einen sei nichts falsches daran, Aredroquianer mit Pfeilen zu spicken und zum anderen kämen wir aus der gleichen Gegend und würden wohl besser miteinander umzugehen verstehen. Dies hielt ich für verständige Worte und wandte mich an ebenjene Nadessha. Wie ich von ihr erfuhr, sei sie von allen Häuptlingen in schwarz-weiß die Schwester und sie alle, die Elfkreuzer, würden Don Pacos als ihren König anerkennen; also stammen sie wohl aus seinem Geschlecht. Wie dem auch sei, wir errichteten also ein Heerlager und die klugen Häuptlinge berieten sich, wie dem Gegner, der wohl weit überlegen war, beizukommen sei. An die Krieger im Lager wurden ulkige kleine Blättchen verteilt, Passierscheine genannt, von denen mir ein kluger Mann zu berichten wusste, dass sie aus dünnem Holz gemacht werden. Ich sollte so den ein oder anderen nach seinem Schein fragen, und wenn jemand keinen hätte, solle ich ihn niederschlagen, was ich ungemein komisch fand. Dennoch wurde mir angeraten, niemanden aus unserem Lager zu erschlagen, was mir Sorge bereitete, denn mein Herr Thorgal vermisst seit langem sein Schädelservice und ich soll ein neues beschaffen und er gerät leicht in Zorn, wenn er seinen Met aus einem Becher trinken muss. Worauf das Volk Akrons, zu dem ich nun auch schon seit einigen Jahren gehöre, sich aber wirklich versteht, ist, seine Krieger bei Laune zu halten. Wir hatten einfach ein paar Bräute der Blutmarie aus Wyrzknuerz mitgenommen nach Aredhrokh, auf dass sie es dort an keiner Labsahl mangeln lassen sollten. So gab es drei verschiedene Arten von Bieren, zwei helle Gebräue, wie sie Männer bevorzugen, und ein dunkles, weiches Bier, wie es von Frauen und Elfkreuzern getrunken wird. Angeblich hat die Göttin der Elfkreuzer ihnen das befohlen und da sie eine Göttin ist, steht es den Frauen in Akron nicht schlecht an, dunkles Bier zu trinken. Aber einige mögen auch das helle. Wobei die Schwester Nadessha überhaupt kein Bier trinkt, sondern Wein, wie die Priester ihn mögen. Ich mochte das Bier des Jarls Helmbrecht von Pilsen am liebsten, auch weil es in guten, grossen Krügen ausgeschenkt wurde. Dann gab es noch einen Met, aber der war schlecht, denn der Metsieder benutzte wohl Schwefel, um die Gärung anzuhalten, und das schmeckt man einfach. Auch gab es einen fürchterlichen Trunk von vergorener Ziegenmilch aus dem Wendenlande, aber der war scheusslich. Dennoch liefen bald alle im Lager mit so einer Flasche herum und priesen die Grosszügigkeit des Königs Don Pacos, der verfügt hatte, den Trunk der dummen Wenden für weniger als eine Hand voll Kupfer zu veräussern. Was mir gut gefiel war, dass eine Heerfahrt in Akron ähnlich dem Fest zur Wintersonnenwende in meiner Heimat war, denn es gab, wie schon erwähnt, Trunk für alle und dazu auf offenem Feuer geröstetes Schweinefleisch. Ein paar Köche guten Rufes brutzelten und bepinselten das Schwein, dass es eine Freude war. Auch wenn es nicht umsonst verteilt wurde, sondern jeder, der nicht nur Brot, sonderen auch Schwein wollte, etwas geben musste, troff doch das Fett von Bart und Kinn im ganzen Lager. Auch das viel Gesungen wurde ist etwas gutes, nimmt es doch den ängstlicheren Gemütern die Furcht vor dem Tod. Und so komme ich dann zur Schlacht und wie sie geschlagen werden sollte. Nachdem in der Nacht von Frjadagr auf Laugardagr die Kundschafter unseres und des gegnerischen Lagers viele gute Ratschläge tauschten, wollte dann am Laudardagrmorgen ein Haufen Aredroquianer sehen, wie wir es denn mit der Nachtruhe hielten. Da der Stamm der Akroner pflegt, bei Walfahrten in Heeresgewand und Brünne zu schlafen, kamen die Krieger im Verhältnis recht langsam von ihren Lagern hoch, aber schnell genug, um zu erfahren, dass die neugierigen Aredroquianer von ihrem Herrn zurückgepfiffen wurden. Das war schade, denn wären sie zu uns ins Lager gekommen, hätte daraus wohl ein lustiges Gemenge entstehen können. Von der am Laugardagr um die dritte Stunde nach Mittag dann stattfindenden Schlacht gibt es nichts aufregendes zu berichten. Das Heer des Königs Don Pacos wählte den akronischen Breitkeil als Angriffstaktik, während die Aredroquianer lieber auf einem Haufen von knapp 200 standen, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Da ich bei den Bogenschützen focht, habe ich nur vier Gegner gefällt, denn mir wurde von der Schwester Nadessha untersagt, zu schiessen, wenn ich einen von uns treffen könnte. Da die Bogenschützen von Anfang an irrigerweise hinter den Reihen standen, gab es damit naturgemäss Schwierigkeiten. Aber die Bogenschützen waren eh ohne Nutzen, denn die Fußtruppen Akrons zerfetzten die feindlichen Linien nach kurzem, heftigem Gerangel. Auch durfte ich nach der Schlacht den Besiegten nicht die Köpfe nehmen, sie nicht einmal zu Ehren der Götter töten, denn sie waren alle Häuptlinge von grosser Wichtigkeit und der König Don Pacos will trotz seiner Macht kein Blut vergossen sehen, wenn es hell ist. Das ist alles wahrlich fremdartig, aber dennoch herrscht sonst Friede in Akron und die Frauen und Männer, die Land und Hof besitzen, kommen wohl von alleine, um Steuern zu bezahlen und der König Don Pacos muss nicht zu ihnen reiten mit einem grossen Heerhaufen. Obwohl so gut wie nicht gekämpft wurde, waren alle Akroner voller Freude nach dem Sieg und priesen ihre einzelne Göttin und sangen und tanzten. Zu meiner Schande muss ich sagen, dass nicht ein Akroner auf dem Felde blieb und nur ungefähr 30 der Gegner starben. Ich erwog kurz, noch ein paar Leute zu erschlagen, um sicher zu gehen, dass die Götter, die einen grossen Kampf mit vielen Toten erwarteten, nicht enttäuscht wurden, aber dann entsann ich mich der Worte der Gode und ließ es lieber bleiben. Warum der König aber ausgerechnet dieses Land in Besitz nehmen wollte ist mir wahrlich ein Rätsel, denn Akron, grade die Küste, ist grün und die Erde dort ist fett und schwarz, aber es war wohl ein Ehrenhandel und der König darf überdies nicht dulden, dass man über ihn Spott treibt und freche Reden schwingt in Aredhrokh. So war also Akron einmal mehr siegreich und einmal mehr haben wir keine Beute genommen. Doch was mir jüngst zu Sinnen kam, brauchen wir in so einem Land wie Akron überhaupt das Silber anderer Könige? Nein. Die Skoten sind gefürchtet an allen Küsten und wackere Mordbrenner, aber so sehr es mich auch wundert, in Akron ist dafür kein Bedarf. Vielleicht, wenn meine Dienstzeit in der Garde vorbei ist, kaufe ich ein paar Schafe.
 
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